Henriettes Inselbote

Dezember 13, 2007

Dickmamsell’s Charmeattacke

Filed under: I dare say,Kleine Freuden des Alltags — henriette @ 6:08 pm

Herr S. und ich waren auf einer Dokumentarfilmpremiere eines Freundes. The screening fand im Working Men’s Club in Bethnal Green statt. Vermutlich waren wir ein bisschen overdressed for such a venue, denn kaum betraten wir das Foyer, wurden wir von einem älteren guy direkt als f..king w..kers betitelt. Auf mein freundliches „and you“ hin zog Herr S. mich hastig beiseite, denn er wollte nicht unangenehm auffallen.
Der Pub, in dem die Vorführung stattfand, hatte eindeutig bessere Zeiten gesehen. Man muss sich eine Art 60’er Jahre Bahnhofsrestaurant in den späten 80’ern vorstellen, natürlich mit einem rotgemusterten Teppich all over the place. Es gab lauwarmen Weisswein und für 1 Pfund konnte man ein Käsebrötchen erstehen.
Quite quirky, die location, aber gut. Das Publikum war ein Gemisch aus f..king w..nkers und working men.
Den Film hätte ich noch viel mehr genossen, hätte jene kleine rosagewandete Dickmamsell mit viel zu grossen goldenen Creolen am Tisch neben uns nicht permanent ihrem sehr ausgeprägten Mitteilungsbedürfnis freien Lauf gelassen. Und how her parents adored her for that! Dickmamsell war nicht zu bremsen. Sämtliche „shhhhhhs“ der Umsitzenden hielten sie keineswegs davon ab, bei jedem neuen Gesicht auf der Leinwand laut zu jauchzen und mit kleinen, dicken Wurstfingerchen auf eben diese zu deuten. Was ihre Eltern jedesmal auf Neue entzückte, die Dialoge im Film jedoch grösstenteils mühelos übertönte. Nach dem Ende der Vorführung hatte ich Dickmamsell so richtig gefressen und hätte sie am liebsten mal kurz an ihrem kleinen blonden Pferdesschwanz gezogen.
Da entschied die rosa Nervensäge urplötzlich, ausgewählte Umsitzende direkt aufzusuchen und schickte sich bereits an, Herrn S. und mich anzurobben. Um das persönliche Aufeinandertreffen im Keim zu ersticken, warf ich ihr umgehend einen rather disapproving, ich fürchte sogar quite nasty Blick zu.
Doch statt sich folgerichtig zu ihren Eltern zu flüchten, ihren Kopf in Mummy’s Schoss zu verstecken und mit dem Finger anklagend in meine Richtung zu deuten, was machte die kleine rosa Dame? Strahlte mich an als hätte ich ihr soeben mehrere chocolate bisquits in das Mondgesicht gesteckt. Dann erhob sie sich, streckte sie ihre kleinen dicken Arme aus und versuchte angestrengt, mein leeres Glas vom Tisch abzuräumen, wobei sie mir wieder ihr Grinsegesicht entgegenhielt. Anschliessend wackelte Miss Piggy zur Bar und lieferte das Glas dort vorschriftsmässig ab. Das konnte man nur mit „well done“ kommentieren. Und Madame war stolz wie Oscar and smiled even broader.
Wir haben dann ein Gläserremovalteam gebildet. Sie hat sich an den Tischen so hochgestreckt, wie sie konnte und ich habe ihr die Gläser ein bisschen näher an den Rand geschoben, damit sie sie erreichen konnte. Sie hatte mächtig Spass dabei und überhaupt – sie war eine richtig süsse rosa Dickmamsell. Simply adorable.

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1 Kommentar »

  1. Kindchen, Kindchen, wie die Wut verraucht!

    Kommentar von otti — Dezember 13, 2007 @ 8:50 pm | Antwort


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